Auf der Suche nach Geschäftsideen

Häufig besteht zunächst der Wunsch, eine Existenz zu gründen, und dann erst beginnt die Suche nach einer guten Idee. Fest steht, wer erfolgreich in die Selbstständigkeit starten möchte, braucht nach landläufiger Vorstellung zumindest dies: eine wirklich zündende, zukunftsträchtige und idealerweise eine Marktlücke schließende Geschäftsidee. Also treten viele, die sich mit dem Gedanken tragen, schon in naher Zukunft ihr eigener Chef zu werden, in einen kreativen Prozess der Ideenfindung ein, um bald etwas ernüchtert festzustellen, dass es regelrechte Marktlücken in einem freien Wirtschaftssystem kaum noch gibt. Leichter tut sich der potenzielle Selbstständige, wenn er nach einer Marktnische sucht. Eine gute Marktnische zu finden, ist bereits ein Erfolg.

Wer immer Ihnen von angeblichen Marktlücken vorschwärmt, sollte zunächst einmal Ihr Misstrauen ernten. Denn erstens bestehen viele Marktlücken zurecht (weil nämlich das betreffende Produkt beziehungsweise die Dienstleistung nicht nachgefragt wird), und zum anderen haben eigentlich nur sehr innovative Hightech-Unternehmen überhaupt eine Chance, in eine Marktlücke vorzudringen.

Bei der Suche nach Geschäftsideen werden Sie im Wesentlichen auf drei unterschiedliche Marktverhältnisse stoßen:

Grundtypen von Geschäftsideen

Die Marktlücke:

Sie ist – wie gesagt – in weitgehend gesättigten Märkten nur noch selten anzutreffen. Ihre Charakteristika: Kein Anbieter, im günstigsten Fall aber eine latent vorhandene große Nachfrage (ist keine Nachfrage vorhanden, handelt es sich um eine berechtigte Marktlücke).
Eine Marktlücke hatten in den späten 40er-Jahren die Brüder Richard und Maurice McDonald erblickt, als sie für junge Familien Selbstbedienungsrestaurants mit großen Parkplätzen und konkurrenzlos günstigen Preisen anboten.

Die Marktnische:

Sie besteht häufiger und bietet Existenzgründern in der Regel gute Einstiegschancen. Ihre Charakteristika: Erst wenige Anbieter, aber große, mittel- bis langfristig weiter steigende Nachfrage. Doch Vorsicht, es kann sich bei der vermeintlichen Chance auch nur um einen kurzlebigen Trend handeln. Oder aber, die Idee spricht sich herum und innerhalb kurzer Zeit kommt es zum „Kannibalismus“ unter den Anbietern (ein klassisches Beispiel hierfür sind die Videotheken).

Der Verdrängungswettbewerb

Er ist heute eigentlich gang und gäbe. Seine Charakteristika: Viele Anbieter am Markt, die Zahl der Nachfrager hingegen bleibt gleich oder sinkt. Erfolg hat der Existenzgründer auf diesem Markt nur, wenn er besser, preiswerter, serviceorientierter oder einfach sympathischer ist als die Mitbewerber und diese allmählich verdrängt.

Existenzgründungen ohne Geschäftsideen.

Nach dieser Übersicht können wir bereits feststellen, dass Sie als angehender Unternehmer sich keineswegs mit der Suche nach imaginären Marktlücken verzetteln sollten. Wer besser ist als die Konkurrenten, hat auch unter anderen Marktvoraussetzungen gute Karten für den unternehmerischen Erfolg. Gehen wir noch einen Schritt weiter: Um Ihr eigener Chef zu werden, brauchen Sie sich in einigen Fällen überhaupt nicht um eine Idee kümmern.

So besteht zum Beispiel die Möglichkeit, als Franchise-Nehmer gegen eine – zugegebenermaßen nicht eben geringe – Gebühr von den praxiserprobten Geschäftsideen eines Systemgebers zu profitieren. Oder aber Sie sprechen Ihren derzeitigen Arbeitgeber auf die Vorteile einer Spin-off-Gründung an, bei der bis zu diesem Zeitpunkt integrale Unternehmensteile in selbstständige Firmen ausgegliedert werden. Als dritte Variante der Unternehmensgründung ohne eigene Geschäftsidee bleibt das Management-Buy-out (MBO) und das Management-Buy-in (MBI). Darunter ist die Übernahme eines Unternehmens durch interne Führungskräfte (MBO) beziehungsweise der Kauf der Firma durch externe Manager (MBI) zu verstehen. Alle diese Gründungsvarianten werden wir im folgenden Kapitel noch etwas genauer unter die Lupe nehmen.

Geschäftsideen – woher nehmen …?

Viele angehende Existenzgründer schnappen im (feuchtfröhlichen) Gespräch mit Freunden oder Kollegen scheinbar geniale Einfälle auf und glauben, damit ein Vermögen schaffen zu können. Dass es ganz so einfach nun doch nicht läuft, dürfte jedem klar sein, der ernsthaft plant, eine eigene unternehmerische Existenz zu gründen. Und dennoch: Nicht jeder Stammtisch-Einfall muss eine Schnapsidee sein.

Im Gegenteil. Wir raten ausdrücklich dazu, Geschäftsideen nicht „im stillen Kämmerlein“ auszubrüten, sondern im intensiven Austausch mit Freunden, Bekannten und Kollegen. Dafür gibt es einen – wie wir meinen – einfach nachvollziehbaren Grund: Alle – auch die Stammtischrunde – könnten Ihre Kunden von morgen sein. Sie sollten deren Wünsche und Erwartungen kennen. Als angehender Existenzgründer dürften Sie in der Regel nicht über die wirtschaftlichen Möglichkeiten verfügen, um aussagefähige Marktstudien betreiben zu können. Daher sind Sie in hohem Maße auf Informationen angewiesen, die Sie sozusagen nebenbei und gratis bekommen. Die mögen nicht unbedingt repräsentativ sein, können Ihnen aber den einen oder anderen wichtigen Anhaltspunkt liefern.

Wer als Unternehmer Erfolg haben möchte, muss Wünsche erfüllen. Neue Wünsche zu wecken, ist eine weitergehende Aufgabe, die Sie erst angehen sollten, wenn Sie am Markt etabliert sind und sich das Profi-Know-how von Marketingexperten leisten können. Wünsche aber kann nur der erfüllen, der sie kennt. Wer sich auf die Suche nach Geschäftsideen begibt, muss also zuhören können, muss mit offenen Augen und Ohren durch die Welt gehen.

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