Trends aufspüren und für eine Geschäftsidee nutzen

Auf Trends müssen Existenzgründer prinzipiell achten. Denn selbst eine an sich gute Geschäftsidee steht unter einem schlechten Stern, wenn das Umfeld nicht stimmt, sich also die Kunden nicht dafür interessieren. Salopp ausgedrückt: Ihrem Vorhaben dürfte kaum Erfolg beschieden sein, wenn Ihre Idee „out“ ist oder zumindest in der Gefahr steht, mittelfristig keine Chancen mehr zu haben.

Eine Geschäftsidee erscheint nur dann gut, wenn sie Ihnen nachhaltige Erfolge verspricht. Das heißt, Sie müssen Ihr Konzept auf seine Zukunftschancen untersuchen, denn schließlich wollen Sie auch in fünf oder zehn Jahren noch damit Geld verdienen. Deshalb: Stellen Sie sich immer wieder die Frage, welche Chancen das von Ihnen geplante Produkt oder die ins Auge gefasste Dienstleistung in den kommenden Jahren haben könnte.

Dazu ist es notwendig, starke und länger anhaltende Trends auszumachen, die sich in Zukunft verstärken dürften. Selbstverständlich geht jeder noch so ausgeprägte Trend einmal zu Ende, worauf Sie sich als Unternehmer rechtzeitig einstellen müssen. Ansonsten könnte es irgendwann einmal heißen, Sie hätten neue Entwicklungen „verschlafen.“ Sie sollten mithin stets auf dem Laufenden bleiben.

Welche Faktoren führen zu einem Trend?

Wie aber entstehen Trends? Welche Kräfte wirken auf sie ein? Wir haben die wichtigsten Faktoren für Sie zusammengetragen. Trends werden maßgeblich bestimmt von:

  • allgemeinen Zeitgeist, von Stimmungen und Moden
  • politisch-gesellschaftlichen Veränderungen
  • technologischen Fortschritten
  • der Konjunkturentwicklung
  • der Bevölkerungsentwicklung
  • Trends aus dem Ausland

Gestatten Sie, dass wir die einzelnen Punkte dieser Aufzählung noch etwas näher erläutern, um Ihnen zu verdeutlichen, wie die genannten Faktoren zur Herausbildung von Trends beitragen können.

Zeitgeist

Stimmungen und Moden erweisen sich im Gegensatz zum Zeitgeist in der Regel als äußerst kurzlebig. Modeboutiquen oder Friseure müssen darauf reagieren. Geschäftsideen indessen lassen sich daraus kaum entwickeln. Denn was heute „in“ ist, kann morgen bereits „megaout“ sein.

Das, was wir etwas diffus als „Zeitgeist“ beschreiben, wirkt jedoch bereits länger und tiefer. Oftmals handelt es sich um einen regelrechten Bewusstseinswandel. Die in den vergangenen Jahren deutlich gewachsene Sensibilität der Menschen für die Natur und ökologische Zusammenhänge ist ein Beispiel dafür, wie ein anderer Zeitgeist auch unser Denken und Handeln verändert. Erinnert sei zudem an die allenthalben grassierende Fitnesswelle mit ihren zahlreichen Chancen für Existenzgründer in den Bereichen Gesundheit und Ernährung.

Politisch-gesellschaftliche Veränderungen

Politisch-gesellschaftliche Veränderungen können ebenfalls zur Entstehung von Trends beitragen. Wenn zum Beispiel die Zahl der Ehescheidungen steigt, sind kleinere Single-Appartements stärker gefragt als 5-Zimmer-Wohnungen mit 180 Quadratmetern, um nur ein extremes Beispiel zu nennen. Zu politischen Veränderungen gehören aber auch so weitreichende Entscheidungen wie die europäische Integration oder die Einführung des Euro. Konkret bedeutet dies: Fremdsprachenkenntnisse werden immer wichtiger; zudem suchen die Verbraucher nach Orientierung in einem europäischen Mega-Markt. Die „Schnäppchenjagd“ muss mehr denn je grenzüberschreitend erfolgen.

Technologischer Fortschritt

Um zu illustrieren, wie stark technologische Fortschritte neue Trends kreieren, brauchen wir nur ein Stichwort zu nennen: Internet. Welche wirtschaftlichen Chancen sich auf diesem Gebiet noch eröffnen, lässt sich seriös derzeit kaum abschätzen. Vermutet werden darf, dass in diesem Umfeld noch zahlreiche Geschäftsideen darauf warten, entdeckt zu werden (warum nicht Nachhilfeunterricht per E-Mail?).

Konjunkturentwicklung

Manche Trends wiederum entstehen gleichsam nolens volens. Wenn in wirtschaftlich schwierigeren Zeiten die Lohn- und Gehaltszuwächse nicht mehr so üppig ausfallen wie ehedem, wenn überdies hohe Steuern und Sozialabgaben auf den Einkommen lasten, gewinnt unversehens der Trend zum Sparen an Bedeutung. Nicht mehr unbedingt der Superluxus ist gefragt, nun reicht auch die Mittelklasse. Ein cleverer Existenzgründer wird also überlegen, welche Dienstleistung er anbieten kann, mit deren Hilfe sein Kunde bares Geld spart (so entstand zum Beispiel die Idee, für preisbewusste Auftraggeber professionell auf Schnäppchenjagd zu gehen).

Bevölkerungsentwicklung

Ein wesentlicher Faktor zur Herausbildung von Trends ist ohne Frage die Bevölkerungsentwicklung. Und in dieser Hinsicht weisen die deutschen Statistiken eine kristallklare Tendenz auf: Die Bundesbürger werden immer älter. Bis zum Jahr 2030, schätzt nicht nur der Berliner Volkswirt Professor Klaus Jäger, kommt auf jeden Erwerbstätigen ein Rentner. Was für die Gesetzliche Rentenversicherung wie ein Albtraum klingen mag, eröffnet potenziellen Existenzgründern große Chancen: Ältere Menschen haben ganz spezifische Bedürfnisse und Ansprüche. Zudem verfügen viele von ihnen bereits heute über ein überdurchschnittliches Einkommen. Wer entsprechende Produkte oder Dienstleistungen bietet, hat sehr gute Karten.

Trends aus dem Ausland

Schließlich entstehen zahlreiche Trends im Ausland – vor allem in den Vereinigten Staaten. Trendforscher müssen sich nur im Land der unbegrenzten Möglichkeiten näher umschauen, um zu erfahren, was morgen auch in Europa „angesagt“ sein dürfte. Als ein jüngeres Beispiel sei an dieser Stelle nur das Inline-Skating genannt, das seit einigen Jahren auch hierzulande für Furore auf den Straßen sorgt.

Die Top-Trends der nächsten Jahre

Kommen wir nun zur ganz konkreten Frage: Welche aktuellen Trends erscheinen so ausgeprägt, dass sie noch Marktchancen für Existenzgründer verheißen? Natürlich können wir Ihnen an dieser Stelle nicht alle mehr oder minder fundierten Prognosen einschlägiger Trend-Gurus vorstellen. Hinzu kommt, dass sich mancher vermeintliche Trend recht bald als Flop erweist. Dennoch:

Einige dieser Erfolgssektoren möchten wir Ihnen nachfolgend vorstellen:

Der Seniorenmarkt:

Wie bereits erwähnt, steigt die Zahl der Rentner ständig. Tatsächlich gehen in den nächsten zehn Jahren die ersten „Baby-Boomer“ in den Ruhestand, also die Angehörigen der geburtenstarken Jahrgänge unmittelbar nach dem Zweiten Weltkrieg. Gleichzeitig wird sich die Lebenserwartung der Männer und Frauen weiter erhöhen. Was folgt daraus?

  1. Die Rentner von Heute und Morgen sind nicht mehr mit den Ruheständlern von gestern zu vergleichen. Sie wollen ihren Lebensabend in vollen Zügen genießen, wollen reisen, angemessen wohnen, wünschen sich entsprechende Freizeitangebote. Da viele Ruheständler dank privater Vorsorge über ein vergleichsweise gutes Einkommen verfügen, können sie sich diesen Lebensstandard auch leisten. Davon profitiert, wer auf diese Zielgruppe zugeschnittene Angebote macht.

Auf die Bedürfnisse von Senioren spezialisierte Immobilienmakler, Agenturen, die seniorengerechte, kulturell anspruchsvolle Reisen zusammenstellen, oder versierte und seriöse Finanzberater, die sich auch auf dem Gebiet Schenken und Vererben auskennen – dies sind nur ein paar Beispiele, wie auf die Interessen der „jungen Alten“ reagiert werden kann.

  1. Die Kehrseite der höheren Lebenserwartung: Trotz aller medizinischen und pharmazeutischen Künste lassen irgendwann dann doch die Kräfte nach. Man ist auf Hilfe angewiesen, wird vielleicht sogar zum Pflegefall.

In den letzten Jahren sind eine Unmenge privater Pflege- und Betreuungsdienste für Senioren und Kranke aus dem Boden gewachsen. Manches schwarze Schaf war darunter, das auf die schnelle Mark spekulierte. Dennoch dürfte die Nachfrage nach Seniorenpflegediensten weiter steigen.

Der Sicherheitsmarkt:

Die Aussicht mag einen erschrecken, doch auch in den nächsten Jahren ist mit einer Zunahme der Kriminalität zu rechnen. Schon heute scheinen die staatlichen Behörden am Ende ihrer Kapazitäten.

Wer aus dem Urlaub zurückkommt und seine Wohnung aufgebrochen und ausgeraubt vorfindet, kann nur noch auf eine gute Versicherung hoffen. Die Nachfrage nach zuverlässigen Sicherheits- und Wachdiensten dürfte daher weiter wachsen.

Der Beratungsmarkt:

Kleine und mittelständische Unternehmen haben in aller Regel einen immensen Beratungsbedarf. Nicht für jedes Problem können teure Fachleute eingestellt werden. Im Bedarfsfall ziehen die Unternehmen mithin externe Berater hinzu.

Hier eröffnen sich Möglichkeiten zum Beispiel für Personal- und Rationalisierungsberater. Auch Journalisten mit PR-Erfahrung haben Chancen, da nämlich einerseits selbst kleinere und mittelständische Betriebe heute gezielte Pressearbeit betreiben müssen (oder zumindest sollten), andererseits aber nicht den aufwendigen Apparat einer großen Agentur mitfinanzieren möchten. Dauerhaft Geld verdienen kann im Beratungsgeschäft allerdings nur der erfahrene, wirtschaftlich denkende Experte. Die Psychologin, die sich als Personalberaterin versucht, obgleich sie weder über Branchen- geschweige denn über eigene Führungserfahrung verfügt, dürfte über kurz oder lang ebenso auf der Strecke bleiben wie der Jungakademiker, der in seiner Studienzeit mal für eine Lokalzeitung geschrieben hat und nun glaubt, PR-Beratung verkaufen zu können.

Der Fun- und Freizeitmarkt:

Es gibt noch ein Leben nach dem Job – eine Behauptung übrigens, der manche Jungunternehmer in den ersten Jahren nach ihrer Existenzgründung angesichts der eigenen Arbeitsbelastung wohl nur süßsauer lächelnd zustimmen können. Doch wie dem auch sei, Tatsache bleibt, dass die meisten heute über mehr freie Stunden und Tage verfügen als noch vor zwanzig Jahren. Und diese Freizeit steht gerade bei den jüngeren Menschen unter dem Motto „Fun & Fitness“. Denken Sie jetzt nicht gleich an das Naheliegende – an die Gründung von Reisebüros oder Aerobic-Studios. Damit ist heute kaum noch Geld zu verdienen.

Kaum bekannt ist hingegen der geradezu atemberaubende Boom, den Musikschulen verzeichnen. Ein Instrument zu spielen, ist heute wieder gefragt. Die Hausmusik feiert ein Comeback. Ganze Franchise-Ketten nutzen diesen Trend äußerst erfolgreich. Die Musikschule Fröhlich etwa gehörte in den vergangenen Jahren zu den erfolgreichsten Franchisingketten in Deutschland.

Zum Freizeitmarkt gehört auch das Angebot ausgefallener Nahrungs- und Genussmittel. David und Mary Gamperl aus Chicago etwa lassen jeden Monat von einer italienischen Köchin zwei Super-Pasta-Saucen „à la Mamma“ kreieren und verschicken diese – hygienisch verpackt – an mittlerweile über 10.000 Fans. Der Umsatz belief sich 1997 auf sage und schreibe 3,2 Millionen Dollar.

Auch Zigarren und edle Rauchwaren feiern ein Comeback, ungeachtet der Feldzüge gegen den blauen Dunst. Bedenken Sie: Gerade in den USA, wo den Rauchern der Wind der öffentlichen Meinung besonders unangenehm ins Gesicht bläst, berichten gehobene Zigarren- und Pfeifenläden über drastisch steigende Umsatzzahlen. Einzige Voraussetzung: die Zigarre muss teuer sein. Sie gilt nämlich längst als Symbol für Erfolg und Individualismus.

Der Ökomarkt:

Viele vertreten die Meinung, der Ökomarkt sei längst gesättigt, das hunderttausendste „umweltverträgliche“ Produkt längst erfunden und die potenziellen Kunden all der grünen Versprechungen allmählich müde. Das Gegenteil ist richtig: Das Umweltbewusstsein der Menschen dürfte in den nächsten Jahren eher zu- als abnehmen, und zwar ganz unabhängig von der weltanschaulichen Einstellung. Nach wie vor gefragt ist kompetente Beratung auf dem Gebiet des innovativ-ökologischen Bauens und der Solartechnik.

Der Convenience-Markt:

Die einen sind im Dauerstress, die anderen lieben eher die Gemütlichkeit. Beide sind bereit, einen angemessenen Preis zu zahlen, wenn man sie etwas entlastet. Das betrifft sowohl Unternehmen als auch Privatpersonen. Die Chefsekretärin zum Beispiel hat in aller Regel Wichtigeres zu tun, als zu Messezeiten in Deutschlands Metropolen stundenlang nach Hotelzimmern zu fahnden.

Hotel- und Reiseexperten, die sich in der Branche auskennen und über entsprechende Kontakte verfügen, könnten diese Organisations-Arbeit übernehmen und gleich noch die nötigen Flüge buchen, den Transfer zum Hotel sicherstellen und sich darum kümmern, dass der Chef ein Faxgerät in seinem Hotelzimmer vorfindet. Am Convenience-Markt verdient aber auch der Pizzabote und der freundliche Herr, der die Tiefkühlkost abends ins Haus bringt.

Auf all den genannten Märkten sehen wir noch gute Chancen für Existenzgründungen. Je nachdem, wo Ihre Erfahrungen liegen oder Ihre Talente schlummern, sollten Sie gezielt nach Marktnischen suchen. Und nochmal: Hören Sie immer genau hin, was die Menschen wünschen, vermissen oder was sie nur ungern erledigen. Dort liegen Ihre Chancen.

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